Kulinarische Schweiz
Kochen in den Kantonen und Regionen
Tafelgeschirr, Kochgeschirr, Töpfe und Pfannen im alten Basel
Von Ruedi
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Kochgeschirr

Das Kochgeschirr aus Keramik, wie es sich im 15. Jahrhundert präsentiert, hat seine Ursprünge in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Damals wurde der universelle Kochtopf durch weitere Gefässformen ergänzt; Dreibeinpfanne und Dreibeintopf gehören zu den Neuerungen dieser Zeit. In den darauf folgenden Jahrzehnten haben die Hafner die Grundformen der Kochgefässe weiterentwickelt und verbessert. Verbessert wurde auch die Herstellungstechnik. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind zunächst die Dreibeinpfannen, seit der Mitte des 14. Jahrhunderts auch die Dreibeintöpfe mit einer Innenglasur versehen worden. Die Gefässe waren dichter und dank der glatten Oberfläche hygienischer und nutzten sich auch weniger schnell ab.

Das Kochgeschirr aus der Kellereinfüllung setzt sich aus Töpfen mit Karniesrändern, Dreibeintöpfen, Henkeltöpfen, Dreibeinpfannen, Deckeln und einem Grillrost zusammen: ein für das 15. Jahrhundert typisches Spektrum an Kochgefässen.

Töpfe

Zum Kochgeschirr gehören in erster Linie die unglasierten hohen, schlanken Töpfe mit dem für unsere Region charakteristischen Karniesrand. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wandelten sich die bauchigen Kochtöpfe mit flachem oder leicht gewölbtem Boden und Leistenrand zu hochschultrigen Gefässen mit schmalem kleinflächigem Standboden und ausladendem Karniesrand. Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts wurde der Gefässkörper immer höher und schlanker und die Mündung immer ausladender, bis sie schliesslich einen grösseren Durchmesser aufwies als der Gefässkörper selbst.

Die unterschiedlichen Formen der Karniesränder, wie sie aus der Kellereinfüllung vorliegen, sind nicht etwa in einzelne Typen chronologisch unterteilbar, sondern zeigen vielmehr die für das 15. Jahrhundert charakteristische Formenvielfalt (Kat.-Nr. 4–29). Ferner hängt die Randausformung auch von der Grösse des Gefässes und dessen Wandstärke ab. Die hohen Karniesrandtöpfe des 15. Jahrhunderts haben einen schmalen, eingezogenen Standboden und eine riefenverzierte Schulterzone, die nach unten zuweilen von einer plastischen Leiste abgeschlossen wird (Kat.-Nr. 14). Die umlaufende Leiste ist ein dekoratives Element der Karniesrandtöpfe des ausgehenden 14. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Auf Töpfen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts fehlt sie. Die Töpfe mit Karniesrand, im ganzen 15. Jahrhundert weit verbreitet, waren in der Regel unglasiert und bis ins späte 15. Jahrhundert mehrheitlich reduzierend gebrannt. Gemäss aktuellem Forschungsstand endete die Produktion der Karniesrandtöpfe kurz nach der Mitte des 16. Jahrhunderts. Bislang fehlen sie in Fundensembles aus dem späten 16. und 17. Jahrhundert. Diese Töpfe stellte man als Kochgefässe auf den Herd neben das Feuer oder neben die Glut. Sie dienten auch als Vorratsgefässe zum Lagern trockener Lebensmittel. In einem Topf fanden sich gar noch Reste von Hühnereiern, die in Wasser oder Essig (?) eingelegt, aufbewahrt worden sind. Warenart: Die Karniesrandtöpfe gehören mit wenigen Ausnahmen zur reduzierend gebrannten, grauen Irdenware (Warenart I.1–I.4). Die Magerung variiert dabei von fein bis grobkörnig. Es hat sich herausgestellt, dass der Rohton eher beiläufig gemagert worden ist, weil bei den gleichen Funktionstypen verschiedene Magerungsanteile beobachtet werden konnten.

Dreibeintöpfe

Das Kochgefäss des 15. Jahrhunderts schlechthin ist zweifelsohne der Dreibeintopf, der “Hafen”, wie er in den zeitgenössischen Basler Inventarlisten, den sogenannten Basler Beschreibbüchlein, bezeichnet wird.

Die Form der Dreibeintöpfe entspricht der in unserer Region verbreiteten Grundform: bauchiger Körper, randständiger Bandhenkel und trichterförmig geöffneter Hals mit umgeschlagenem Rand und einer Innenkehle als Rast für einen konischen Knaufdeckel. Der Hals ist bei den Dreibeintöpfen vom ausgehenden 14. bis anfangs 15. Jahrhundert durch eine plastische Leiste betont (Kat.-Nr. 47), später meistens nur noch kantig abgesetzt (Kat.-Nr. 48; 219). Den im Verlauf der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nur noch mit einem Henkel ausgestatteten Dreibeintopf stellten die Köche oder Köchinnen auf dem Herd an den Glutrand, um so die Speisen zu erwärmen. Diese Handhabung hat an den Dreibeintöpfen ihre typischen Spuren hinterlassen: Bei den meisten Dreibeintöpfen sind die Bodenunterseite sowie die dem Henkel gegenüberliegende Gefässwand verrusst. Bei den stark verrussten und im Inneren mit Kochrückständen versehenen Gefässen handelt es sich also durchwegs um ausgediente Kochtöpfe. Dabei wirft allerdings die grosse Anzahl der entsorgten Kochtöpfe die Frage nach ihrer jeweiligen “Lebensdauer” oder Benutzungszeit auf. Obschon die Dreibeintöpfe auf ihrer Innenseite glasiert waren – allerdings nicht durchgehend, sondern nur partiell am Boden und am Rand –, konnte man diese nicht für beliebig viele Kochvorgänge verwenden. Die Speisen begannen mit der Zeit an Boden und Wand festzukleben. Wohl auch deshalb wird in zeitgenössischen Kochbüchern darauf hingewiesen, dass man für bestimmte Gerichte einen “newen, wol verglasten” (neuen, gut glasierten) Hafen verwenden solle. Warenart: Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind die Dreibeintöpfe mit einer meist farblostransparenten Innenglasur, die den Boden und die Randpartie auf der Innenseite überzog, versehen (Warenart II.2–II.3). Mit dem Glasieren änderte die Herstellungstechnik von reduzierend zu oxidierend. Der Rohton wurde, dem Verwendungszweck als Kochgeschirr entsprechend, grob gemagert. Grob gemagerte Gefässe widerstanden der ständigen Feuereinwirkung und den Hitzeschwankungen eher als fein gemagerte Keramik. Als Magerungszuschlag verwendeten die Hafner den natürlich vorkommenden Flusssand.

Henkeltöpfe

Im Unterschied zu den Dreibeintöpfen haben die Henkeltöpfe einen hochgestellten Rand mit einer Innenkehle, einen randständigen Bandhenkel sowie eher breite und flache Standböden. (Kat.-Nr.190). Die Schulter kann gelegentlich mit Riefen verziert sein. Der Henkeltopf wurde in der Basler Regio im 15. Jahrhundert eingeführt und diente bis ins 17. Jahrhundert vorwiegend als Kochgefäss. Dieser Verwendungszweck ist an den Gefässen durch die einseitige Abnutzung – wiederum Russpartien an der dem Henkel gegenüberliegenden Gefässwand – sowie aufgrund entsprechender Darstellungen auf zeitgenössischen Bildquellen ersichtlich. Mengenmässig stehen die Henkeltöpfe weit hinter den Dreibeintöpfen zurück. Warenart: Im Gegensatz zu den Dreibeintöpfen sind die Henkeltöpfe auf der Innenseite durchgehend farblostransparent oder vermehrt auch deckend grün über einer weissen Engobe glasiert. Die Henkeltöpfe wurden stets oxidierend gebrannt

Deckel

Zum Verschliessen der Kochgefässe – Töpfe, Dreibein- und Henkeltöpfe – dienten seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hohle konische Deckel mit einem zentralen Griffknauf (Kat.-Nr. 130–134). Diese Deckel sind – mit dem Knauf nach unten gerichtet – auf der Drehscheibe hergestellt worden. Abschneidespuren auf der Knaufoberseite und die feinen Drehriefen auf der Wandung sind untrügliche Spuren für diese Herstellungsweise. Dass ein Deckel keine besonderen ästhetischen Ansprüche zu erfüllen hatte, zeigt ihre meist grobe und unsorgfältige Verarbeitung. Der konische Knaufdeckel wurde von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis in das 17. Jahrhundert in unveränderter Form hergestellt.

Warenart: Die Deckel sind stets unglasiert und als reduzierend gebrannte graue oder oxidierend gebrannte orangerote Ware hergestellt worden (Warenart I.1– I.6). Im 15. Jahrhundert überwiegen die oxidierend gebrannten Exemplare deutlich.

Dreibeinpfannen

Die Dreibeinpfannen, die seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert in immer grösserer Menge produziert wurden, sind auch im vorliegenden Fundmaterial zahlreich belegt. Sie gehören zum meist verwendeten Kochgeschirr, ihre Form wurde bis in die Moderne beibehalten. Die unterschiedliche Ausbildung der Randform widerspiegelt die zeitliche Entwicklung. Während die ältesten, transparent und ohne Engobe glasierten Dreibeinpfannen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen Ösengriff und einen beinahe gerade abgestrichenen Rand aufweisen, sind die glasierten Pfannen ab der Mitte des 14. Jahrhunderts mit einer Grifftülle und einem sichelförmigen Rand ausgestattet (Kat.-Nr. 55–59). Dieser sichelförmige Rand entwickelt sich dann im Laufe des 15. Jahrhunderts zu einem verdickten, kantig abgestrichenen Rand (Kat.-Nr. 63; 66) oder zu einem abgerundeten, hochgestellten Rand mit einer Innenkehle (Kat.-Nr. 65). In leicht abgewandelter Form haben diese weit verbreiteten Pfannen einen höher geformten Körper und eine bauchständige Grifftülle. Von dieser Gefässform ist aus dem vorliegenden Fundmaterial allerdings nur eine Grifftülle erhalten (Kat.-Nr. 51). Der randständige, leicht schräg nach oben angarnierte Tüllengriff ist zur Aufnahme eines Holzstabes zwecks Griffverlängerung bestimmt, weshalb der auf der Scheibe gedrehte Griff stets hohl ist.

Die Pfännchen, in denen vorwiegend Eier-, Brei- oder Musspeisen zubereitet wurden, standen direkt über der heissen Glut. Böden und Beine sind aufgrund der Einwirkung des Herdfeuers entsprechend russgeschwärzt.

Warenart: Die Dreibeinpfannen gehören zu den ersten Kochgefässen, die glasiert worden sind. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts tragen sie auf ihrer Innenseite eine deckend grüne, seltener eine gelbe Glasur über einer cremefarbenen Engobe. Farblos-transparent glasierte Dreibeinpfannen sind seltener (Warenart II.4–II.5).

Grillrost

Eine Sonderform stellt der Grillrost dar, der bislang im gesamten basel-städtischen Fundmaterial nur gerade durch zwei Exemplare belegt ist

Der völlig verrusste, flache Grillrost hat eine nur leicht hochgezogene und verdickte Randpartie (Kat.-Nr. 67). Der Boden ist durchbrochen. Auf den Stäben wurde vermutlich Fleisch oder Fisch grilliert. Geräte zum Grillieren gehören zu den ältesten Kochgeschirren, doch bestehen diese Bratroste vorwiegend aus Metall. Möglicherweise war der Grillrost aus Keramik zwar preisgünstiger, aber zum Grillieren von Speisen weniger geeignet als ein Metallgrill. So erstaunt es nicht, dass diese Form nur ganz selten vorkommt; vermutlich gehört sie zu jenen “Erfindungen” oder Neuerungen, die sich nicht bewährt haben und die deshalb auch nur über kurze Zeit hergestellt worden sind.

Tafelgeschirr

Das im 14./15. Jahrhundert sich verstärkende Interesse an Tafelgeschirr aus Keramik ist die Folge von städtebaulichen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen. Mit der Trennung von Koch- und Wohnbereich im 13./14. Jahrhundert entwickelte sich neu ein eigenständiger Wohn- und Aufenthaltsraum. Mit dem Aufkommen der Wohnstube wuchs auch das Bedürfnis nach Repräsentation. Die mit Kachelöfen ausgestatteten Stuben wurden zum Ort des gemeinsamen Mahls und der Esstisch, der vornehmste Teil der Stube, zum Ort der Repräsentation. Gleichzeitig änderten sich auch die Ernährung und die Essgewohnheiten. Die mittelalterliche Küche wurde vielseitiger und verfeinerte sich. Dies verlangte wiederum nach neuen Gefässen und Geräten. In der Mitte des 13. Jahrhunderts produzierten die in der Stadt tätigen Hafner erstmals Tafelgeschirr aus Keramik: Aquamanilien, Bügelkannen und Schüsseln, die sich in der Folge zu den wichtigsten Gefässformen entwickelten. Ihre weite, offene und flache Form bot beste Möglichkeiten für Verzierungen in Form von eingefärbten Glasuren und dekorativ ausgeformten Randpartien.

Neben den Schüsseln gehören lediglich noch die Bügelkannen und wenige Schalen zum keramischen Tafelgeschirr der einstigen Anwohner in der St. Alban-Vorstadt. Die einzelnen Fragmente von Bechern und Krügen – vornehmlich auch aus Steinzeug – sind keine lokal hergestellten Produkte. Sie fehlen auch in den zeitgenössischen Schriftquellen. Anstelle der Keramikbecher wurden Trinkbecher aus Holz oder Glasbecher bevorzugt.

Bügelkannen

Die zum Wasserholen und Kühlhalten von Flüssigkeiten verwendeten Bügelkannen, im Volksmund auch “Verenakrug” genannt, sind von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis um 1470/80 produziert worden. Die bauchigen Kannen haben einen kurzen Trichterhals und einen Bügelhenkel. Auf der Schulter tragen sie unter der Glasur oft einen bescheidenen Dekor aus einer Rille oder mehreren feinen umlaufenden Riefen oder Rillen (Kat.-Nr. 68–74). Die Glasur deckte bei den grossen Kannen allerdings nur gerade die obere Gefässhälfte. Das Charakteristische der Bügelkannen ist deren Henkel, der seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit parallel angeordneten Druckmulden verziert ist. Die Druckmulden verhindern primär das Reissen der Bügelhenkel während der Trocknung und des nachfolgenden Brandes und sind gleichzeitig ein dekoratives Element. Die Bügelhenkel sind reichlich grob gemagert, auch das eine Vorkehrung, um Risse während des Brandes zu verhindern. Warenart: Während die Bügelkannen im 13. Jahrhundert und zu Beginn des 14. Jahrhunderts reduzierend grau gebrannt und unglasiert waren (Warenart I.1/I.2), wurden sie seit der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert orangerot oxidierend gebrannt, auf der Gefässaussenseite engobiert und grün oder gelb glasiert (Warenart II.4/II.5). Gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde eine feinere Ware bevorzugt: Ein heller, beige brennender Ton, der kaum gemagert wurde, hart gebrannt und sehr fein war (Warenart II.7).

Schüsseln

Das im 15. Jahrhundert weitaus gebräuchlichste und formal variantenreichste Tafelgeschirr war zweifelsohne die Schüssel. Die grosse Formenvielfalt unterstreicht deren Multifunktionalität. Die grob gemagerten und grob verarbeiteten Schüsseln dienten weniger zum Auftragen der Speisen. Aus zeitgenössischen Kochanleitungen wissen wir, dass Schüsseln auch zum Kochen resp. Erwärmen der Speisen auf dem Herd benutzt worden sind. Auch für die Milchverarbeitung, das Abrahmen und die Käseherstellung gebrauchte man konische Henkelschüsseln. Bei unglasierten Schüsseln kann der ursprüngliche Verwendungszweck sehr verschieden sein und steht selten mit Sicherheit fest. Schliesslich fanden Schüsseln auch im Bereich Handwerk oder als Vorratsgefäss Verwendung – und einzelne standen sogar als Nachttopf unter dem Bett. Für das Auftragen und Präsentieren der Speisen auf der Tafel waren die innen farbig glasierten, konischen Henkelschüsseln bestimmt (Kat.-Nr. 83–90). Abgesehen von der Innenglasur trugen die Schüsseln auf der rauhwandigen Aussenseite nur bescheidene Verzierungen in Form einzelner Riefen, Rillen oder Wellenlinien. Das Charakteristische der Schüsseln aus der ersten Hälfte und der Mitte des 15. Jahrhunderts ist deren Formenvielfalt. Bei diesem neuartigen und modischen Tafelzubehör hielten sich die Hafner scheinbar nicht an die sonst strengen Zunftvorschriften, d.h. an die Formvorlagen, wie dies etwa beim Kochgeschirr zu beobachten ist. Allein die uneinheitlichen Randausformungen zeugen von einer gewissen Gestaltungsfreiheit und Phantasie, was wohl auch auf die verschiedenen Töpferhände und auf bestimmte Werkstatteigenheiten zurückzuführen ist.

Die Mehrheit der Tafelschüsseln ist von konischer Form und hat einen randständigen Bandhenkel (Kat.-Nr.85– 87). Vereinzelt weisen die Schüsseln zwei sich gegenüberliegende, auf dem Rand angarnierte und mit Druckmulden verzierte Bügelhenkel auf (Kat.-Nr 91–93). Das eine Exemplar (Kat.-Nr. 93) mit einem flachen, unverzierten Bügelhenkel stammt von einer Schüsselform, wie sie auch im Fundmaterial aus einer Latrine des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg i. Br. vor kommt.

Der sog. Kremprand der Schüsseln variiert im 15. Jahrhundert von rund abgestrichen (Kat.-Nr. 86) bis spitz ausgezogen (Kat.-Nr. 85). Plastisch verzierte Ränder sind charakteristisch für Schüsseln der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Oft wurde der Rand umgeschlagen und mit Druckmulden wellenbandförmig verziert (Kat.-Nr. 91), oder der Hafner hat unterhalb des Randes eine plastische Leiste appliziert, die, ebenfalls mit Druckmulden versehen, zum Zierband wurde (Kat.-Nr. 94).

Zur grossen Bandbreite an Schüsseltypen gehören die flachen, grossformatigen Schüsseln mit zwei seitlich angesetzten Bandhenkeln (Kat.-Nr. 99; 100). In der Regel sind diese Schüsseln auf der Innenseite über einer weissen Engobe grün glasiert. Die Ränder sind hochgestellt und auf der Innenseite mit einer Kehle versehen.

Die Grösse der Schüsseln und ihre Form – mit zwei seitlichen Henkeln – lassen darauf schliessen, dass diese Gefässe zum Auftragen von grösseren Mengen an Speisen wie z.B. Fleischgerichten, Braten und dergleichen bestimmt waren. Vergleichbare Schüsseln sind aufgrund zeitgenössischer Darstellungen als Bräter oder Fettfänger gedeutet worden. Die aus der Kellereinschüttung stammenden Schüsseln zeigen hingegen keinerlei Russspuren. Es ist nicht auszuschliessen, dass sie auch als Wasserbecken zum Händewaschen gedient haben könnten. Vor der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sind diese Schüsseltypen in unserer Region bislang unbekannt; sie gehören zu den Innovationen des frühen 15. Jahrhunderts. Zu den hochformatigen Schüsseln gehört das eine Exemplar (Kat.-Nr. 101) mit einer dicken, steilen Gefässwand und zwei seitlichen, auf der Gefässmitte applizierten Bandhenkeln sowie einer farblos-transparenten Glasur auf der Innenseite. Eine Form, die zum Ausschöpfen von Speisen wenig geeignet scheint und eher als Einlege- oder Vorratstopf gebraucht worden sein könnte.

Warenart: Der grossen Formenvielfalt entsprechend sind die Schüsseln in den verschiedensten Warenarten hergestellt worden. Bis in die frühe Neuzeit wurden sowohl glasierte als auch unglasierte Schüsseln verwendet. Die unglasierten Exemplare sind entweder reduzierend grau oder oxidierend orangerot gebrannt und auf der Innenseite und am Rand oft geglättet (Kat.-Nr. 78) – eine Technik, die wie eine Glasur die Poren an der Oberfläche schliesst. Die Schüsseln zum Auftragen der Speisen sind oxidierend gebrannt und in der Regel innen deckend farbig – hell- bis dunkelgrün und gelb – über einer cremefarbenen Engobe glänzend glasiert. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde eine feinere Ware bevorzugt: Eine hellbeige brennende, hart gebrannte und fein gemagerte Keramik, die ebenfalls auf der Inneseite glasiert war (Warenart II.7).

Becher und Flaschen aus Steinzeug

Steinzeug war wegen seiner besonderen Widerstandsfähigkeit ein beliebter aber auch teurer Artikel. Da die Rohstoffe für das bei sehr hoher Temperatur zu brennende Steinzeug in unserer Region fehlen, mussten diese Produkte importiert werden. Das völlig versinterte, also wasserundurchlässige Steinzeug wurde vor allem für Trink- und Schankgefässe bevorzugt: Becher, Tassen, Flaschen und Krüge. Die Produktionsorte der hier gefundenen Steinzeuggefässe lassen sich selten mit Sicherheit nachweisen. In Frage kommen Werkstätten in Siegburg, Köln und Frechen sowie im Elsass.

Im gesamten Fundmaterial aus der Kellereinschüttung liegen lediglich Fragmente von 4 Steinzeuggefässen vor: der Boden einer Flasche, eine Tasse und das Fragment eines Bechers oder Kruges sowie eine kleine Flasche (Kat.-Nr. 114–116). Die Flasche stammt allerdings aus einem jüngeren Fundkomplex (Kat.-Nr. 218). Die Tasse (Kat.-Nr. 114) entspricht einer im 14. und 15. Jahrhundert äusserst beliebten und weit verbreiteten Form, die auch in Basel mehrfach belegt ist. Da Steinzeuggefässe im archäologischen Fundmaterial der Stadt Basel bislang nur in einer kleinen, überschaubaren Anzahl vorliegen, gelangten diese Produkte wohl kaum als Massenimport auf den baselstädtischen Markt. Eher führten Kaufleute diese Produkte in kleinen Mengen mit nach Basel oder sie wurden von Reisenden im Ausland erworben und mitgebracht.

Haushaltskeramik

Gegenstände und Gefässe aus Keramik, die nicht ausschliesslich in der Küche oder als Essgeschirr verwendet wurden, werden der Haushaltskeramik zugeteilt: Blumentöpfe, Gluthauben, Lampen, ein sog. Lavabo und Miniaturgefässe sowie Spielzeuggeschirr.

Blumentöpfe

Topfpflanzen und damit Blumentöpfe scheinen in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Mode gekommen zu sein. Die hohen, grossen und offenen Gefässe mit verzierter Rand- und Schauseite sowie einer farbigen Aussenglasur (Kat.-Nr. 102) dienten als “Cachepots” für kleine Stauden oder Bäumchen. In dieser Funktion sind sie auf zahlreichen zeitgenössischen Bildquellen belegt. Charakteristisch für die Blumentöpfe sind die stets steilwandige, hohe Gefässform und der breite, oft verzierte Rand sowie eine Aussenglasur.

Zwischen einem Blumentopf und einer hohen Schüssel kann nicht immer unterschieden werden. Bestimmt wurden zuweilen auch ausgediente Schüsseln als Blumentopf zweckentfremdet.

Gluthauben

Zu den aussergewöhnlichen Funden gehören die im Keller an der St. Alban-Vorstadt 28 erstmals zahlreich vorhandenen Gluthauben, über deren Aufkommen und Verbreitung wegen der bislang geringen Funddichte erst wenig bekannt ist. Die glockenförmigen Gluthauben haben einen Durchmesser von 24 bis 35 cm und eine äusserst dicke Wand von mindestens 1 cm (Kat.-Nr. 103–108). Der obere Abschluss ist flach und von einem massiven Bügelhenkel überspannt. Die Hauben sind zuweilen verziert: So ist ein Exemplar mit einer horizontalen Riefenverzierung und der Bügelhenkel mit Druckmulden versehen (Kat.-Nr. 107). Zum eigentlichen Dekor gehören jedoch die verschiedenförmigen Aussparungen, die unregelmässig aus der Gefässwand im lederharten Zustand herausgeschnitten worden sind. Die Gluthauben wurden über die Glut auf dem Herd gestülpt. Damit das Feuer darunter nicht erstickte, mussten die Wandung und die Oberseite mit Luftlöchern versehen sein. Ein typisches Merkmal der Gluthauben, das auch kleine Fragmente dieser Form zuweisen lässt, ist die stets durchgehend und einheitlich verrusste Innenwand – es sei denn, die Gluthaube wurde ungebraucht weggeworfen. Die Ränder sind verdickt und ähnlich geformt wie die Ränder eines bestimmten Schüsseltyps (vergleiche Schüsselrand Kat. -Nr. 79 mit Gluthaube Kat.-Nr. 106), was bei der Zuweisung der Stücke zu Verwechslungen führen kann. Warenart: Die Gluthauben waren reine Gebrauchsgegenstände und dementsprechend grob oder unsorgfältig hergestellt. Stets unglasiert, sind sie sowohl reduzierend grau, als auch oxidierend orangerot gebrannt. Der Ton wurde nur mässig gemagert.

Lampen

In der Kellerauffüllung wurden auffallend viele Lampen gefunden. Es stellt sich immer wieder die Frage, wie viele solcher Öl- oder Talglampen in einem Raum aufgestellt und ob sie zusammen mit anderen Beleuchtungskörpern verwendet worden sind, zumal die kleinen Lampen eine eher bescheidene Lichtquelle waren.

Die seit dem 13. Jahrhundert weit verbreiteten, einfachen schalenförmigen Lämpchen wurden bis ins ausgehende 15. Jahrhundert als Lichtspender beibehalten. Die Lämpchen aus dem 15. Jahrhundert weichen formal von den älteren Exemplaren ab: Der Rand ist nach innen umgeschlagen, für den Docht ist eine Schnauze ausgeformt und zum besseren “Handling” ist die Lampe mit einer umgeschlagenen, fein durchbohrten Grifflasche versehen worden. Die Funktion der Öse im Griff ist allerdings nicht bekannt, gibt aber Anlass zu Hypothesen: Wurde der Docht durch die Öse durchgezogen, oder hat man die Lampen etwa bei Nichtgebrauch an einer Schnur aufgehängt? Warenart: Die oxidierend orangerot oder beige gebrannten Lämpchen sind von feiner Machart und auf der Innenseite über einer weissen Engobe mehrheitlich grün glasiert (Warenart II.5 und II.7).

Lavabo

Unklarheit über die Funktion bestand zunächst bei einem dickwandigen Gefässboden mit grün glasierter und plastisch verzierter Aussenseite (Kat.-Nr. 110). Verzierung und Form liessen zunächst an einen Ofenaufsatz denken. Parallelen in einem zeitlich vergleichbaren Fundmaterial vom Fischmarkt in Konstanz lassen unsere Fragmente einer Gefässgattung zuordnen, die als “Lavabos” bezeichnet werden. Damit sind jene Gefässe angesprochen, die als Wasserbehälter zum Händewaschen dienten. Es handelt sich dabei sozusagen um die weiterentwickelte Form der im 13. Jahrhundert bei Tisch gebräuchlichen Aquamanilien. Die Lavabos hingen an der Wand in einer Nische oder in einem Buffet über einem Becken.

Kindergeschirr

Miniaturgeschirr, ein Spielzeug der Kinder, ist in mittelalterlichen Fundensembles keine Seltenheit. Die kleinen Gefässe – sei es Koch- oder Tafelgeschirr – imitieren in Form und Warenart oft sehr exakt die entsprechenden Formen in Originalgrösse. In der Kellereinschüttung befanden sich gleich mehrere Miniaturgefässe, so ein Dreibeintopf (Kat.-Nr. 126) mit der für diese Gefässgattung charakteristischen Form, hingegen ist bei diesem nicht die Innenseite, sondern die Aussenseite grün glasiert. Aus der unteren Verfüllungsschicht sind eine bemalte und aussen glasierte Bügelkanne (Kat.- Nr. 123), ein aussen glasiertes Töpfchen (Kat.-Nr. 124), ein Dreibeintopf (Kat.-Nr. 125) und ein innen bemaltes Dreibeinpfännchen (Kat.-Nr. 128) zu nennen. Das Kindergeschirr ist liebevoll verziert, hingegen sind die Dreibeinpfannen und Bügelkannen in Originalgrösse nie bemalt worden.

Eine Parallele zur kleinformatigen, auf der Aussenseite bemalten Bügelkanne fand sich im Fundmaterial aus einer Latrine des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg i. Br.

Sonderformen - Kochgefäss für einen Destillierapparat

Die Randscherbe eines grossen Topfes mit eingezogener Randzone und grün glasierter Innenseite weist die typischen Merkmale einer sog. Cucurbita, eines Destilliertopfes, auf (Kat.-Nr. 112). Die äussere Deckelrast ist zur Aufnahme des Alembik, des Destillierhelms, bestimmt. Das Fragment entspricht formal einem Fundstück aus dem 15. Jahrhundert aus Konstanz.

Sonderformen - Schalen

Schalen verschiedener Grösse und Form sind in Zusammenhang mit der sich entwickelnden Tafelkultur im 15. Jahrhundert zu sehen (Kat.-Nr. 120; 121). Bis in das 16./17. Jahrhundert sind Schalen allerdings durch keine einheitliche Form definiert und sind weitaus seltener als Schüsseln. Ihre Funktion war vielfältiger Art: Sie wurden für Gewürze, Ingredienzen oder Getreide bei Tisch und in der Küche gebraucht.

Sonderformen - Siebgefässe

Fragmente von Gefässen mit perforiertem Boden oder einer perforierten Wandung sind immer wieder als Einzelfunde belegt, doch lässt ihr fragmentarischer Zustand die Gesamtform in den wenigsten Fällen erkennen. Dies ist auch bei den beiden Exemplaren aus der Kellereinfüllung der Fall. Das Bodenfragment eines grossen, steilwandigen Gefässes (Kat.-Nr. 197) aus unglasierter Irdenware mit einem leicht hochgewölbten, perforierten Boden lässt sich mit einem zeitgleichen Siebtopf aus Konstanz/Fischmarkt vergleichen. Man darf annehmen, dass es sich hierbei um schüsselförmige Behälter handelt, die zur Weiterverarbeitung von Milch benutzt worden sind. Zu einem Siebgefäss ganz anderer Ausformung gehörte das bauchige Fragment mit Bandhenkel und eng perforierter Wandung (Kat.-Nr. 198). Das Gefäss ist auf der Innenseite über einer weissen Engobe grün glasiert. Die Glasur ist beim Auftragen durch die Löcher auch auf die Aussenseite gedrungen.

Lörtscher’s des Schindlers Hus – Untersuchungen an der St. Alban-Vorstadt 28, 1995/1
Guido Helmig, Bernard Jaggi, Christine Keller, Udo Schön
Mit einem Beitrag von Beatrice Schärli





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