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Schweizer Brauchtum und Volksfeste Stadt Basel «Gryffemähli» Festmahl in Kleinbasel |
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Der Aufstieg der Kleinbasler Handwerker
Vor 1100 war Kleinbasel ein Dorf. Die Handwerker konnten sich noch nicht in eigenen Zünften organisieren, wie dies die Berufsleute in der Stadt taten. Erst der Bau der Mittleren Brücke über den Rhein 1125 hatte zur Folge, dass sich Kleinbasel allmählich zu einer kleinen Stadt entwickelte. 1285 überreichte König Rudolf von Habsburg Kleinbasel den Städtebrief, verbunden mit den gleichen Rechten und Pflichten, wie sie Grossbasel längst kannte. Handwerker siedelten sich an, Kleinbasel machte bei gewissen Zünften mit und gründete drei eigene zunftähnliche Handwerkervereinigungen: die Ehrengesellschaften. 1392, nach der Vereinigung der kleinen mit der grossen Stadt, also von Kleinbasel mit Grossbasel, erlangten die Kleinbasler Ehrengesellschaften den gleichen Status wie die Grossbasler Zünfte: die Wählbarkeit in den Rat war gewährt und die Mitbestimmung bei wichtigen Geschäften garantiert. Leu, Wilder Mann und Vogel Gryff Die Kleinbasler Ehrengesellschaften waren zunftähnliche Verbindungen und vertraten unterschiedliche Berufsgattungen. In der Ehrengesellschaft zur Hären waren Jäger, Fischer und niedrige Adlige mit einem Hof in Kleinbasel vertreten. Später kamen Handwerker und andere Bürger dazu. Auf dem Gesellschaftswappen prangt auf rotem Feld eine goldene Häre (Fangnetz für kleines Federwild) aus geflochtenen Weidenruten. Schildhalter des Härenwappens ist der Wilde Mann. Der Name der Ehrengesellschaft zum Greifen stammt vom Namen des Hauses, in welchem die Gesellschaft ansässig war. Das Wappen zeigt ein grosses weisses Kreuz auf blauem Grund, was darauf hinweist, dass die Gesellschaftsbrüder ursprünglich Lehensnehmer der Basler Klöster waren. Ihre Aufgaben waren der Aufbau sozialer Netzwerke, Befestigungsarbeiten an der Stadtmauer, die Rekrutierung, Waffeninspektion und Wachdienstorganisation. Schildhalter des Greifenwappens ist der Greif (Gryff), ein Fabelwesen, das aus der Verschmelzung von Löwe und Adler entstand. In der Ehrengesellschaft zum Rebhaus waren einst die Rebleute zusammengeschlossen, aber auch Bauern, die mit ihnen Felder, Wälder und Teiche beaufsichtigten. Das Wappen zeigt ein weisses Rebmesser mit braunem Knauf auf grünem Feld. Schildhalter des Rebhauswappens ist der Leu. Reine Männer Gesellschaften Die drei Ehrengesellschaften Kleinbasels sind alle gleich aufgebaut. Die Anzahl der Gesellschaftsbrüder pro Gesellschaft ist auf 150 Männer beschränkt. Jede Gesellschaft hat einen siebenköpfigen Vorstand, angeführt vom Meister, gefolgt vom Statthalter (Vizemeister) und unterstützt von fünf Vorgesetzten. Dazu kommen die 143 Gesellschaftsbrüder. Um einer Ehrengesellschaft beitreten zu können, muss der volljährige Mann das Bürgerrecht der Stadt Basel besitzen und zudem in Kleinbasel wohnen, oder das Bürgerrecht der Stadt Basel besitzen, Grundeigentum in Kleinbasel haben und im Kanton Baselstadt wohnen. Im Dreijahresturnus übernimmt jeweils eine der drei Ehrengesellschaften die Organisation des wichtigsten Anlasses im Jahr: den Tag des Vogel Gryff im Januar. Weitere Anlässe führen die Ehrengesellschaften autonom durch, wenn auch mit ähnlichen Strukturen. So hält jede Gesellschaft einmal im Monat einen Stammtisch ab, führt einmal jährlich einen Ausflug in die Region Basel durch und trifft sich an einem bestimmten Tag im November im eigenen Stammlokal fürs «gläine Mähli» (das kleine Mahl). «S gläine Mähli» zur Einstimmung «S'gläine Mähli» (das kleine Mahl) wird erst seit ungefähr 20 Jahren abgehalten, hat also noch eine junge Tradition. Dem Festessen im Stammlokal der Ehrengesellschaft geht jeweils ein Programm voraus. Es handelt sich dabei um einen rein innergesellschaftlichen Anlass, ungezwungen und ohne starre Regeln. Im Gegensatz zum «Gryffemähli» (Greifenmahl), das am Tag des Vogel Gryff stattfindet, können die Ehrengesellschaften zu diesem Anlass auch ehemalige Gesellschaftsbrüder einladen, die aus der Vereinigung austreten mussten, weil sie z.B. den Wohnort gewechselt haben und so die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft nicht mehr erfüllen. Gesellschaft, Geselligkeit, Gemeinsinn Namensgeber des höchsten Tages der drei Ehrengesellschaften ist eines ihrer Wappentiere: der Vogel Gryff (Greif). Ursprünglich war der Tag ein Rekrutierungsfest mit Defilee und Waffeninspektion. Die für den Wehrdienst neu rekrutierten Männer wurden präsentiert, hatte doch jede Zunft bzw. jede Gesellschaft ein bestimmtes Kontingent an Wehrmännern zu stellen. Jahrhundertelang führte jede Ehrengesellschaft ihren eigenen Umzug mit ihrem Wappentier an der Spitze durch. Seit dem 18. Jahrhundert präsentieren die Drei den Umzug gemeinsam mit den drei Wappentieren an der Spitze. Mit den Jahren gewann das «Gryffemähli» (Greifenmahl) immer mehr an Bedeutung. Das grosse Gesellschaftsmahl, an dem das kostbare Tafelsilber hervorgeholt und der prunkvolle Meisterbecher aus Silber und Gold herumgereicht wird, bildete fortan den Höhepunkt des Tages. Wechselndes Datum im Dreijahresturnus Das Datum für den Vogel – Gryff - Tag ändert im Dreijahresrhythmus. Es ist davon abhängig, welche der drei Ehrengesellschaften gerade den jährlich wechselnden Vorsitz führt: im Rebhaus-Jahr ist es der 13. Januar, im Hären-Jahr der 20. Januar und im Greifen-Jahr der 27. Januar. Der Festtag beginnt um 9 Uhr. Es ist Brauch, dem so genannten Spiel, d.h. allen kostümierten Teilnehmern, die einen körperlich anstrengenden Tag vor sich haben, ein währschaftes Frühstück zu servieren: geschnetzelte Leber und Rösti. Der Umgang des Spiels in Kleinbasel nimmt seinen Anfang mit der Flossfahrt des Wilden Mannes beim Horst (Fischergalgenhäuschen unterhalb des Kraftwerkes Birsfelden). Gegen 11 Uhr wird das Wappentier der Ehrengesellschaft zur Hären auf der Höhe des Café Spitz von den Wappentieren der beiden anderen Gesellschaften, dem Vogel Gryff und dem Leu, erstmals begrüsst. Nach der Landung des Wilden Mannes beim kleinen Klingental ziehen die drei Wappentiere mit den Bannern, den Spieltambouren sowie den Ueli, den Begleitern der Wappentiere, tanzend durch Kleinbasel. Ein Ereignis, das Jahr für Jahr eine grosse Zuschauermenge anzulocken vermag. «S Gryffemähli» - der Höhepunkt des Tages Das «Gryffemähli» (Greifenmahl), der unbestrittene Höhepunkt im Gesellschaftsjahr, findet seit den 60er-Jahren im Festsaal der Messe Basel statt und nicht im Café Spitz, dem Gesellschaftslokal der drei Ehrengesellschaften. Der Grund dafür ist der Platzbedarf für 450 Gesellschaftsbrüder und ca. 15 Ehrengäste, die von der den Anlass organisierenden Ehrengesellschaft eingeladen werden dürfen. Eröffnet wird der Festakt mit dem feierlichen Einmarsch der Meister, der Vorgesetzten und der Ehrengäste. Dazu spielt die 3E-Clique den Heinrichs-Marsch. Das «Mähli» (das wohl eher den Namen Mahl verdienen würde) beginnt um 13 Uhr und endet erst gegen 19 Uhr. Die Küchenbrigade der Messe Basel bereitet das Menü zu, das der Meister der organisierenden Gesellschaft zusammengestellt hat. Auch die Weine werden sorgfältig ausgewählt. Die Abfolge der Speisen ist immer etwa dieselbe: Suppe oder Salat, Fisch, Hauptgang mit Fleisch oder Geflügel, eventuell Käse, Dessert, Kaffee. Im vergangenen Jahr hatte die Ehrengesellschaft zur Hären den Vorsitz und präsentierte ein «Gryffemähli», das sich wahrlich sehen lassen konnte: Am «Gryffemähli» ist das Essen sehr wichtig, nicht minder aber auch der festliche Rahmen mit den zahlreichen Darbietungen zwischen den Gängen (weshalb das Mahl sechs Stunden in Anspruch nimmt). Der Meister der vorsitzenden Gesellschaft eröffnet den Einlagenteil mit seiner Meisterrede, die ein Meisterstück zu sein hat. Ein bis drei Ehrengäste halten ebenfalls eine Rede, die ganz besonders beachtet wird, wenn sie von einer Frau gehalten wird, denn die einzige Frau, die unter den Hunderten von Männern am «Gryffemähli» teilnehmen darf, kann nur ein Ehrengast sein. Die 3E-Clique und der Drei – E - Chor präsentieren sich, die Wappentiere führen ihren mehr oder weniger wilden Tanz auf, ein Kinderchor singt, Tambouren und Pfeifer geben ihr Bestes. Und was auch zum Rahmenprogramm gehört, sind die feierliche Aufnahme der neuen Gesellschaftsbrüder und die Ehrung der verstorbenen Mitglieder.
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