Schweizer Brauchtum und Volksfeste
Stadt Basel
Basler Fasnacht - Morgestraich
Von Ruedi
gesalzen +
gepfeffert


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Im einst sehr protestantischen Basel beginnt die Fasnacht erst in der Woche nach dem Aschermittwoch - also eine Woche später als in den katholischen Gegenden. Frühmorgens um 4 Uhr, erstmals 1834, werden in der Innenstadt sämtliche Lichter gelöscht. Mit dem Glockenschlag beginnt der Marsch zum Marktplatz. Aus allen Gassen nähern sich die Cliquen (Fasnachtsgesellschaften) mit ihren hell erleuchteten Laternen die Bilder des Geschehens im vergangenen Jahr zeigen, Politik, Prominenz, Bürger und Volk werden ausgespielt, niemand geschont. Die imposanten Züge mit Trommlern und Pfeifern schlagen und pfeifen ihre Märsche im wilden durcheinander. Tausende von Menschen bewegen sich zum Marktplatz.

In allen Gaststätten wird seit 1861 in dieser Morgenfrühe Mehlsuppe, Zwiebelwähen, Käsewähen (Rezepte siehe nachfolgend) Kaffee, Wein Bier und Kaffifertig, (wird im Glas zubereitet mit wenig und nicht zu starkem Kaffee, mit Zucker gesüsst und mit viel Schnaps aufgefüllt. In der Regel wird dazu Obstbranntwein verwendet, welcher für diesen Tag nicht wie üblich mit 38 Vol. % sondern mit mind. 45 Vol. % eingekauft wird.) serviert.

Dieser Brauch aus der Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich jedes Jahr verfeinert und kein echter Basler* wollte da nicht dabei sein. Gegen 7 Uhr wird es stiller, und jeder geht wieder seiner Arbeit nach. Was man von den letzten 2 Jahren nicht gerade behaupten kann. Denn die vielen Arbeitslosen haben es nicht so eilig, und damit auch sie in aller Ruhe Fasnacht feiern können, müssen sie über diese geheiligten Tage auch nicht stempeln gehen. Am Nachmittag wirbeln die Trommeln und pfeifen die **Pfeifen von Neuem.

* Apros echter Basler, wurde mir von verschiedenen Seiten gesagt, die gehen über die verrückten Tage (Fasnacht) in die Skiferien. Was von mir ausgesehen absolut glaubhaft und vernünftig ist. Allerdings ich bin kein Basler.

** Pfeifen, um keine Irrtümer aufkommen zu lassen, damit sind die Instrumente, nicht etwa die Bläser oder Basler gemeint.




Der Morgenstreich in Basel

Zum Morgenstreich strömen auf dem Marktplatz der Stadt Basel Gruppen von maskierten Trommlern, Pfeifern und Laternenträgern zusammen, die in den so genannten Fasnachts-Cliquen organisiert sind und sich auf diesen öffentlichen Auftritt oft jahrelang intensiv vorbereitet haben. In fast bedrohlich langsamem Gleichschritt marschieren sie mit dem Glockenschlag vier Uhr von ihren Cliquenlokalen durch die dunklen Gassen, die nur vom Licht der mitgeführten Laternen erhellt werden, in Richtung Marktplatz. Die Atmosphäre hat etwas Gespenstisches, das durchaus die Erinnerung an jene Zeiten wachruft, da man zur Fastnacht nicht so sehr Frohsinn als vielmehr Furcht und Schrecken zu verbreiten suchte - einerseits um die Winterdämonen zu vertreiben, andererseits um lange aufgestauten Aggressionen freien Lauf zu lassen.

Während zum Morgenstreich die Teilnehmer Charivari tragen, individuelle Masken und Verkleidungen, treten die Cliquen bei ihren nachmittäglichen Umzügen in einheitlichen, für ihr jeweiliges Thema oder Sujet neu entworfenen und von Jahr zu Jahr wechselnden Kostümen auf. Der Darstellung dieses Sujets dienen die künstlerisch gestalteten und mit drastischen Sprüchen oder Versen bemalten Laternen, die von jeweils vier bis sechs Mann getragen werden müssen, ebenso wie die so genannten Zeedel-Verse, die beim Umzug ans Publikum verteilt werden.

Zu den standardisierten Maskentypen der Basler Fasnacht gehören Harlekin und Pierrot ebenso wie der Blätzlibajass, der Glaun und der Waggis, der pausbäckig, mit riesiger Nase, blaukariertem Kittel und elsässischem Jargon die Karikatur jener Sundgauer Bauern darstellt, die einst ihre Erzeugnisse zum Verkauf in die Stadt brachten, eben nach Basel.

Vogelnasige, schweinsköpfige, als Foetus, Skelett oder Marsmensch auftretende Masken, die einzeln oder in Gruppen das Bild der Basler Fasnacht ausserhalb der Cliquendisziplin beleben, scheinen dagegen eher auf jene halbdämonischen Gestalten zurückzuweisen, die am anderen Ufer des Rheins, im so genannten Kleinbasel, als Herolde der Fasnacht gefeiert werden. Hier halten die aus mittelalterlichen Korporationen hervorgegangenen Kleinbasler Ehrengesellschaften alljährlich am 13., 20. oder 27. Januar ihr Gryffemähli (Greifenmahl) ab, zu dessen Auftakt eines ihrer Ehrenzeichen, der Wilde Mann, unter Böllerschüssen auf einem Floss den Rhein herabschwimmt. Er wird am Kleinbasler Ufer von den Maskengestalten Vogel Greif und Leu empfangen. Gemeinsam ziehen die drei zunächst auf die Mittlere Rheinbrücke, die Gross- und Kleinbasel verbindet, später auch durch die Strassen des ehemals politisch selbstständigen Basler Vororts, wobei sie, die Kehrseite konsequent Grossbasel zugewandt, jeweils nach einem nur ihnen zugehörigen Trommlermarsch Ehrentänze für Kleinbasel aufführen. Vier Uelis begleiten sie und sammeln von den Zuschauern Geldspenden für bedürftige Mitbürger ein.

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Basler Fasnacht