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Kulturstadt Basel Ausstellungen Arnold Böcklin – Eine Retrospektive |
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Arnold Böcklin (Basel 1827-Fiesole 1901) zählt zu den bedeutendsten Malern des 19. Jahrhunderts. Hundert Jahre nach seinem Tod und über zwanzig Jahre nach der letzten grossen Einzelausstellung widmet ihm das Kunstmuseum Basel eine Retrospektive der Gemälde. In exemplarischer Auswahl von 90 Bildern aus grossen öffentlichen und privaten Sammlungen zeichnet sie Böcklins Entwicklung von der Spätromantik zum Symbolismus. Im Mittelpunkt des heutigen Interesses stehen dabei seine eigenwilligen Bilderfindungen, die zugleich faszinieren und irritieren. Verschiedene Fassungen eines Themas verdeutlichen das Ringen um die überzeugende Gestaltung seiner Visionen.
Böcklin führte ein unstetes Leben. Nach der Jugend in Basel und dem Studium bei Schirmer an der Düsseldorfer Akademie, waren die wichtigsten Stationen, an die ihn seit 1853 seine Frau Angela, eine Römerin, mit der ständig wachsenden Familie begleitete: die Vaterstadt, Rom, München, Weimar, Florenz, Zürich und San Domenico, nahe Fiesole. Ausgehend von der reinen Landschaft, die Böcklin in der Natur, zunächst in der Schweiz, seit 1850 in der römischen Campagna studiert, führt er allmählich in seine Motive antike Naturgottheiten ein. Nymphen, lüsterne Satyrn, schlafende, spukende Pane erscheinen im Unterholz hoher Bäume und verkörpern die einsame Stimmung dieser Orte. Dass Ludwig I. 1859 für die Neue Pinakothek in München das Gemälde Pan im Schilf, erwirbt, bringt Böcklin erstmals durchschlagenden Erfolg und eine Berufung an die Weimarer Akademie. Während ihn nun in der Porträtmalerei, meist Auftragsarbeiten, venezianische Vorbilder beeinflussen, gewinnen die Figuren hinfort stark an Bedeutung. 1862 wieder in Rom, wird die Begegnung mit der pompejanischen Malerei zu einem grundlegenden Erlebnis; sie regt Böcklin u.a. zu maltechnischen Versuchen an, zu einer Aufhellung der Palette und einer neuen Freiheit in den Ausdrucksmitteln. Bald nehmen die eigenen und eigenwilligen Bilderfindungen zu. Schon früher hatte Böcklin ein Thema variiert; bei der Villa am Meer (1. und 2. Fassung 1864/65, weitere 1877/78) bettet er das Sehnsuchtsmotiv in unterschiedliche Naturstimmungen ein. Nach unliebsamen Erfahrungen mit seinen Fresken im Alten Museum in Basel, wechselt Böcklin 1871 abermals nach München. Hier vollendet er den Kentaurenkampf (1872/73): auf geniale Weise prägt er unter dem Eindruck des Deutsch-Französischen Krieges die mythologische Szene um in ein Symbol des Kampfes. Mit der Sterbenden Kleopatra (1872) erreicht er eine neue Dimension psychologischer Durchdringung eines traditionellen Stoffes. Unvergleichliche Darstellungen des wogenden, schäumenden Elements verbindet Böcklin in seinen Meeresszenen wie Triton und Nereide (1873/74) mit dem Auftauchen phantastischer, der Mythologie, der Fabel, dem Märchen entlehnter Gestalten - Wesen mit doppelter Natur, die er auch zu Lande schätzt. Er schildert sie realistisch in typischen sozialen Situationen, denen er so - auf eine andere Wirklichkeitsebene verlagert - allgemeine Bedeutung verleiht. Mit der Toteninsel (1. Fassung 1880), von deren fünf Versionen die Ausstellung erstmals drei vereint, gelingt Böcklin seine bis heute berühmteste Bildschöpfung; er trifft das Lebensgefühl einer ganzen Epoche. In Odysseus und Kalypso (1882) lädt seine Neuformulierung das Thema radikal mit aktueller Bedeutung auf: Die skulpturale Gestalt des einsamen, abgewandten Helden wird zur Ikone der Pittura Metaphysica und der Surrealisten. Seit den 70er Jahren fand Böcklin zu reineren Buntfarben und durchsichtig klarer Formgebung. In Kompositionen von märchenhafter Dichte lässt er seine musizierenden Gestalten - geschmückte Pane, schön gekleidete Mädchen, hauchzart umschleierte Frauen, den Frühling entdecken, den Abend geniessen, den Herbst betrauern. Er vereint auf der Lebensinsel (1888) die Geschlechter und in Vita somnium breve (1888) die Lebensalter. Auf einem der sechs Selbstbildnisse, die die Ausstellung vereint, hatte sich der Maler 1872 in der Basler Totentanztradition mit fiedelndem Tod porträtiert. Als schrecklichen Herrn der Pest stellt er ihn 1898 dar und in seinem letzten, 1900 vollendeten Bild, schaut die Melancholie einen schwarzen Spiegel. In der wachsenden Verschmelzung landschaftlicher Stimmungsbilder und allegorisch verallgemeinerter Figuren entwickelte sich Böcklin so zum führenden Symbolisten des deutschsprachigen Raumes, zum grossen Vorbild im Jugendstil. Die Eigenwilligkeit, die Offenheit und evokative Kraft seiner Visionen brachten seinem Werk Kritik, Missbrauch, überschwängliche Verehrung und starken Einfluss auf künftige Generationen. Böcklins Intention, den Betrachter durch seine Inhalte und Intensität ihrer Gestaltung zu «packen» ist hundert Jahre nach seinem Tod in vielen seiner Bilder wirksam. Ausstellung im Kunstmuseum Basel 19. Mai bis 26. August 2001 www.kunstmuseumbasel.ch ![]()
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