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Kulturstadt Basel Wohnen in der Stadt - ein heisses Thema «Aktionsprogramm Stadtentwicklung Basel» |
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Basel – eine kulturell ausserordentlich reiche Stadt – verliert wie viele andere Kernstädte als Ort des Wohnens an Attraktivität und Bedeutung. Mit dem «Aktionsprogramm Stadtentwicklung Basel» will die Regierung Gegensteuer geben und den Exodus von Einwohnern und guten Steuerzahlern stoppen. Besondere Erwartungen werden dabei auf das ambitiöse Impulsprojekt «5000 Wohnungen für Basel-Stadt» gesetzt.
Das Bevölkerungswachstum der Stadtagglomerationen hat in den vergangenen Jahrzehnten inerster Linie in den Gürteln stattgefunden; günstige Landpreise und der Traum vom eigenenHeim im Grünen haben insbesondere beim Mittelstand und hier wiederum bei Familien ihre Wirkung nicht verfehlt. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat Basel-Stadt mehr oder weniger konstant Einwohner verloren, und ohne Veränderung der Rahmenbedingungen wird sich diese Entwicklung auch in den kommenden fünfzehn Jahren fortsetzen, wie eine Studie zur Bevölkerungsentwicklung in der Nordwestschweiz aufzeigt. Unter diesen Gesichtspunkten ist es kaum erstaunlich, dass die Themen «Wohnen» und «Lebensqualität in der Stadt» immer stärker ins Zentrum der öffentlichen und politischen Diskussion rücken. Erst recht verständlich wird dies, wenn man sich die besondere Situation Basels als Stadtkanton vergegenwärtigt. Mit dem Überschreiten der Kantonsgrenze gehen der Stadt mit jedem Wegzug nicht nur Bewohner, sondern auch Steuermittel verloren. Längerfristig gefährdet dies über die Finanzkraft auch das bisher hohe Niveau des kulturellen Angebots und der vielfältigen Zentrumsdienstleistungen. Von der «Werkstadt» zu Taten Da auch Änderungen gesellschaftlicher Werthaltungen erforderlich sind, ist alleine mit dem klassischen Instrumentarium der Planung einer solchen Entwicklung schwer beizukommen. Mit der Durchführung der «Werkstadt Basel» hat der Kanton Basel-Stadt deshalb zusammen mit der Bevölkerung eine offensive Strategie eingeleitet, auf dem Weg der Kooperation und der aktiven Mitwirkung die anstehenden Probleme gemeinsam anzugehen und zu lösen. Aufbauend auf denErgebnissen der «Werkstadt», ist das «Aktionsprogramm Stadtentwicklung Basel» entstanden. Es hat zum Ziel, in einem integralen Prozess die Lebensqualität in der Stadt umfassend zu verbessern und damit insbesondere auch das Wohnen im Stadtkanton wieder attraktiver zu machen. Als thematische Schwerpunkte wurden drei Impulsprojekte definiert. Das Impulsprojekt «Rhein» soll dazu beitragen, dass sich Basel seiner speziellen Qualität als Rheinstadt vermehrtbewusst wird, und zeigen, was integrative Stadtentwicklung an Verbesserungen der Lebensqualität und in wirtschaftlicher Hinsicht zu leistenvermag. Ein weiteres Impulsprogramm, verbunden mit einem 25-Millionen-Kredit, sorgt dafür,dass rasch und zielgerecht Massnahmen zur Aufwertung des Wohnumfeldes und damit zur Verbesserung der Wohnqualität realisiert werden können. Das Impulsprojekt «5000 Wohnungen für Basel» schliesslich setzt sich zum Ziel, innert der nächsten 10 Jahre 5000 neue Wohnungen guter Qualität im Kanton Basel-Stadt zu realisieren. Veränderte Ansprüche Der Bau neuer Wohnungen kann insbesondere in einer Stadt wie Basel, die im Wesentlichen gebaut ist, kein Selbstzweck sein. Dass trotz Bevölkerungsverlusten überhaupt ein Mangel an Wohnungen besteht, hat seinen Grund darin, dass in den letzten zwanzig Jahren wohl ein Zuwachs an Wohnungen von 5 Prozent zu verzeichnen war, im gleichen Zeitraum aber der Flächenverbrauch pro Bewohner um über 11 Prozent zugenommen hat und die durchschnittliche Haushaltsgrösse auf weniger als zwei Personen gesunken ist. Schliesslich hat die Immobilienkrise der neunziger Jahredafür gesorgt, dass eine durchschnittliche Wohnungsproduktion von 500 Wohnungen pro Jahr in den vergangenen Jahren nicht mehr erreicht wurde. Eine Betrachtung des gegenwärtigen Wohnungsbestandes zeigt aber auch Handlungsbedarf in qualitativer Hinsicht. In den sechziger und zu Beginn der siebziger Jahre, als letztmals hohe Zuwachsraten beim Wohnungsbestand zu verzeichnen waren, wurden in erster Linie Kleinwohnungen gebaut. So weisen heute rund drei Viertel aller Wohnungen höchstens drei Zimmer auf und sind somit nach heutigen Massstäben kaum mehr familientauglich. Die Leerstandsziffern belegen dies: Während bei den Einzimmerwohnungen durchschnittlich rund 4 Prozent leer stehen, sind es bei den Vierzimmerwohnungen gerade 0,9 Prozent und bei den Wohnungen mit 5 und mehrZimmern 0,5 Prozent. Daraus lässt sich schliessen, dass das Impulsprojekt «5000 neue Wohnungen» nicht in erster Linie auf eine Vermehrungdes absoluten Wohnungsbestands, sondern mittels Reurbanisierung brachliegender Industrieareale, Umnutzungen, Wohnungs-Zusammenlegungen und Neubaus vorwiegend grosser, qualitativ guter Wohnungen auf einen Umbau des Gesamtwohnungsbestands abzuzielen hat, damit das Angebot wieder heutigen Ansprüchen und Bedürfnissen genügt. Ein letzter Handlungsaspekt ergibt sich mit Blick auf die Eigentumsverhältnisse. Wohneigentum wurde in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend im stadtnahen Umland in Form von Einfamilienhäusern produziert, so dass es nicht weiter erstaunt, dass Basel eine sehr tiefe Eigentumsquote aufweist. Die Förderung des Wohneigentums ist nicht nur im Hinblick auf das Halten des Mittelstandes und der Familien von Interesse, sondern auch unter dem Aspekt des Erhalts und der Stärkung des Steuerpotenzials. Für die Realisierung des Zieles, innert 10 Jahren 5000 neue Wohnungen in guter Qualität zuerstellen, wird eine Task Force Wohnen eingesetzt, welche ihre Arbeit im vierten Quartal dieses Jahres aufnehmen wird und bis 2004 wirken soll. Die Projektleitung fasst die hauptverantwortlichen Ämter zusammen und wird ergänzt durch externe Fachleute. Schon vollzählig bestimmt ist ein Beirat, welcher das Projekt begleiten wird und namhafte Vertreter verschiedener Fach- und Interessenverbände, grosser Grundbesitzer und politischer Gremien umfasst. Bereits tätig geworden ist die Task Force im verwaltungsinternen Rahmen. Verwaltungs- wird Wohnraum Die Rückwandlung von geeigneten Verwaltungsliegenschaften in zentralen innerstädtischen Lagen ist ein altes Postulat, welches im Rahmen der «Werkstadt Basel» nun wieder aufgegriffen wurde. Seit den siebziger Jahren schon sind immer wieder Verwaltungsliegenschaften für die Wohnnutzung freigegeben worden. Mit der Übernahme des ehemaligen Danzas-Gebäudes perAugust dieses Jahres bietet sich nun die Möglichkeit, das bisher am Münsterplatz domizilierte Erziehungsdepartement in diese leer gewordene Liegenschaft zu dislozieren und damit weitere zum Wohnen ausgezeichnet geeignete innerstädtische Liegenschaften wieder einer Wohnnutzung zuzuführen. Dasselbe gilt für die Liegenschaft Martinsgasse 6, wo nach dem Auszug der AHV- Ausgleichskasse etwa dreizehn grosszügige Drei- bis Fünfzimmerwohnungen realisiert werden können, die bereits zum Kauf angeboten werden. Wohnungszusammenlegungen sind ein gutes Mittel, um die bestehenden Ungleichgewichte im Angebot zugunsten von grösseren Wohnungen zu korrigieren. Aus ökonomischen Gründen macht dieser Schritt insbesondere Sinn, wenn ohnehin eine Gesamtsanierung ansteht. Dies ist der Fall bei Liegenschaften, die sich im Besitz der Pensionskasse des Basler Staatspersonals befinden. Im Rahmen der anstehenden Sanierungen ist nun geplant, einen Teil der vorhandenen Zweizimmerwohnungen zu grosszügigen Vier- und Fünfzimmerwohnungen umzubauen. Um unbillige Härten zu vermeiden, wird die Sanierung jedoch zeitlich gestaffelt durchgeführt und ein Teil der Kleinwohnungen bestehen bleiben, wodurch zugleichnoch eine gute Durchmischung der Bewohnerschaft erreicht werden kann. Mit positivem Resultat wurde im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten geprüft, ob zur Neubebauung oder Nachverdichtung genügend Areale mit einem Wohnbaupotenzial in der angestrebten Grössenordnung vorhanden sind. Untersucht wurden in erster Linie Grundstücke, über welche die Stadt als Grundbesitzerin einen direkten oder über notwendige Zonenänderungen einen indirekten Einfluss hat. Jene Grundstücke, welchesich bereits im Finanzvermögen des Kantons befinden und keine Zonenänderungen erfordern, können nun fortlaufend freigegeben werden. Für jene Areale, welche Zonenänderungen erfordern, ist selbstverständlich noch eine umfassende Interessenabwägung erforderlich, welche durchaus in verschiedenen Fällen zuungunsten des Wohnens ausfallen kann und wird. Trendumkehr möglich Das Ziel, entgegen dem jetzigen Trend der Bevölkerungsentwicklung in Basel innert 10 Jahren5000 neue Wohnungen zu bauen, ist anspruchsvoll. Unterstützung ist hier zweifellos zu erwarten, weil die Konjunktur und die Immobilienbranche die Krise der neunziger Jahre zwar langsam, aber offensichtlich doch nachhaltig zu überwinden scheinen. Nicht auszuschliessen ist deshalb, dass die Optik vielleicht schon bald von den quantitativen Zielen weg vollends auf die qualitativen Aspekte des Wohnungsbaus gelenkt werden darf. Dass eine Trendumkehr – zurück in die Stadt – durchaus im Bereich des Möglichen liegt, zeigen auch erste Ansätze hierzu in amerikanischen Städten (Chicago, «Bauwelt» vom 9. Juni 2000), wo vor allem für Eltern, deren Kinder ausgeflogen sind, die Stadt zunehmend wieder zur guten Adresse wird. Neue Zürcher Zeitung NZZ Von Isaac Reber - Raumplaner ETH/NDS und Mitarbeiter des baselstädtischen Hochbau- und Planungsamtes ![]()
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