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Kulturstadt Basel Basel, wie es plant und baut Basel Steinenvorstadt |
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Von Ruedi gesalzen + gepfeffert Home Rezepte Schweiz Brauchtum Basel aktuell Basel Info Bern Info Kochen Europa Italien Marokko |
Im Monopoly ist sie ein minderer Wert, das teure Feld ist Basel-Freie Strasse. Der Augenschein vor Ort ergibt:Die Freie Strasse ist nobel und öd, in der «Steinen» tobt der Bär. Oder wenigstens der Kino- und Kneipengänger, der hier dicht gereiht auf seine Rechnung kommt. Es ist autofrei, herausgestuhlt und ambitionslos: Man sieht, man trinkt, man wird gesehen.
Eldorado, Capitol, Hollywood, Rex: Die Kinos heissen wie überall. Die Kneipen auch:Mr. Pickwick, Mister Wong, Pizza-Hut, Cindy's Diner. Exklusiv ist das Angebot nicht. Aber konzentriert. Alles aneinander gereiht auf den 300 Metern Strasse, die in Basel «Steinenvorstadt» heissen. Nicht zu verwechseln mit der parallelen Steinentorstrasse. Dort heissen die Lokale «Club 14» und ähnlich, und sie beschäftigen einladende Damen, deren Fotos neben den dunklen Eingängen hängen. Die Steinenvorstadt liegt unmittelbar neben dem Basler Stadtkern. Auf der einen Seite ist sie vom historischen Barfüsserplatz («Seibi») begrenzt, auf der anderen durch den etwas weniger historischen Heuwaage-Viadukt - ein auf Traufhöhe angelegtes Strassenbauwerk aus den Sechzigerjahren. Zug bis nach Süddeutschland Der Ortstermin an einem Samstagabend belegt, was die Basler behaupten: In der Steinenvorstadt ist viel Volk. Auf ganzer Breite stehen Stühle auf der Strasse, alle besetzt, dazu solide Reihen Thekensteher an den Boulevard-Bars. Deshalb heisst der Strip-unisono-die «Flaniermeile». Nebst Flaneuren aus dem Baselbiet und dem Solothurnischen ziehe das Tun in der Steinenvorstadt mittlerweile schon Publikum «aus dem süddeutschen Raum» an, sagt der Architekt Rolf Fuhrer, Präsident des aus den lokalen Haus- und Geschäftsinhabern gebildeten Quartiervereins IG Steinen. Fuhrer schätzt, dass an einem Samstagabend 15000 und mehr in die Steinenvorstadt strömen. Eine Strassen-Bar soll an einem guten Abend fünfstellige Gewinne einstreichen. «Wenn irgendwo ein Geschäft zugeht, können Sie Gift nehmen, dass daraus ein Restaurant entsteht», erklärt Pascal Trächslin, der dasQuartier in den Neunzigerjahren bewohnte. Er vergleicht das Treiben mit Rimini:«Sicher nicht gehoben oder gediegen. Ein Gefühl wie in den Ferien.» Einst Schläger-Eldorado Früher war die Steinenvorstadt ein eher berüchtigtes Pflaster, auf dem der Kinogänger nicht mehr Zeit verbrachte als nötig. In den Achtzigerjahren war die Strasse ein Gefechtsfeld von Punks und Fussball-Faschos. «Ein Kollege von mir hat dort einen Zahn verloren», berichtet Trächslin, unser Gewährsmann mit der Fronterfahrung. Besonders gefürchtet waren die «Ultras», eine Gruppe schlagkräftiger Fans des lokalen Fussball-Vereins. Heute? «Wir haben so viele normale Leute hier, dass die Randgruppen am Rande stehen», sagt Rolf Fuhrer. «Darum sind sie nicht mehr da.» Wer den Stadtpromotoren glauben will, stösst auf ein erstaunlich simples Rezept für den Wandel. Es heisst:Verkehrsfrei machen und Herausstuhlen. In zwei Jahren Auseinandersetzung-unter anderem auch gegen die Velo-Lobby - wurde die Steinenvorstadt Mitte der Neunzigerjahre zur Fussgängerzone deklariert und gleichzeitig alle Gaststätten einem gemeinsamen Konzept als «Boulevardrestaurants»untergeordnet. An einem schönen Maientag 1996 wurden auf einen Schlag die Stühle herausgestellt, und fertig war das urbane Wunder. Ein Effekt des Sogs ist die vergnügungs- und flaniermässige Entleerung der rechten Rheinseite der Stadt, lokal «das Kleinbasel» genannt. Es ist zu einem Treffpunkt der Ausländer mutiert und der Ort der Alternativ-Szene, welcher in der ehemaligen Kaserne ein Terrarium geschaffen wurde. Museen und Multiplex Am stadtseitigen Ende der Steinenvorstadt befindet sich das Puppenhaus-Museum - eines von zahlreichen neuen Museen, die während der Neunzigerjahre entstanden sind:Tinguely-Museum (Botta, spendiert vomChemiekonzern Roche), Beyeler-Museum (Renzo Piano, errichtet vom Kunsthändler Ernst Beyeler), Musikinstrumenten-Museum (Ex-Gefängnis Lohnhof, gebaut von der Stadt), Cartoon-Museum (Herzog und de Meuron, private Sponsoren). Am anderen Ende, hinter dem Heuwaage-Viadukt, befindet sich eine öde Fläche, die beim Ortstermin von den Kunden des nahe gelegenen «Gassenzimmers»bevölkert wurde (soeben hat die Stadt dessen Schliessungszeit vorverlegt). Diese urbane Wüste soll für ein Multiplex-Kino verwendet werden, welches der Steinenvorstadt einen neuen Abschluss gäbe, die Hässlichkeit des Heuwaage-Viadukts integrierte und einen neuen Übergang zum weiter hinten gelegenen Zoo («Zolli») schüfe. Das Projekt stammt von den Edel-Architekten Herzog und de Meuron, erster Widerstand hat sich auch schon geregt. Pro Naturaschlägt vor, statt des Kinos einen Park zu errichten, dort den eingetunnelten Bach Birsig wieder offen fliessen zu lassen und den «Zolli»weiter stadtwärts auszudehnen. Alte Fronten - neue Formen Die Frontstellung - hie Bauherren, hie Grüne - ist alt, aber der Umgang miteinander scheint neu. An die Stelle des Guerillakrieges zwischen Betonfraktion und Verhinderern der Achtzigerjahre ist ein therapeutischer Politikansatz getreten:Man spürt sich und spricht viel miteinander. Unter dem Namen «Werkstadt Basel»entstand in zweijähriger Gruppendynamik ein breites Programm aus Vorsätzen, Vorschlägen und «Impulsprojekten», die unter anderem 5000 Wohnungen in der Stadt schaffen sollen. Inzwischen wird längst gebaut und geplant. Zwei Grossbaustellen hat der Stadtkanton eröffnet, eine weitere ist in Vorbereitung: Nordtangente Seit 1994 wird eine Autobahnverbindung zwischen der Strecke nach Deutschland und dem französischen Autobahn-Anschluss am Grenzübergang St-Louis gebaut. Das Projekt war 1980 von der Regierung entschieden, danach aber - Guerillakrieg - mehrere Jahre gestoppt worden. Deutschlandfahrer erinnern sich an zwei ins Leere führende Brückenhälse kurz vor dem Grenzübertritt in Weil. Von jenen Hälsen wird nun der Verkehr unterirdisch durch die Stadt und auf einer neuen Brücke über den Rhein geleitet. Die Quartiere Horburg und St.Johann werden damit von einem Lastwagen-Dauerstau entlastet. Die Nordttangente, sagt das Basler Baudepartement, seien «die teuersten Autobahnkilometer der Schweiz». «Euroville» Auf beiden Seiten des Bahnhofs SBB entstehen neue Bürogebäude in grossem Stil. Schon fertig ist das «Peter-Merian-Haus», vor dem Baubeginn stehen das «Jacob-Burckhardt-Haus» und das «Elsässer Tor». Vor einigen Monaten wurde für Basel ein überdurchschnittlich hoher Büroflächen-Leerstand ausgewiesen, aber Wirtschaftsförderer Werner Resch weist den Verdacht von sich, die neuen Büros würden ins Blaue hinaus errichtet. Basel habe «nie gross auf Vorrat gebaut, wie etwa Zürich». Die letzte Landreserve Hinter dem Badischen Bahnhof, gegen die deutsche Grenze zu, macht der Stadtstaat sich daran, eine seiner letzten Bodenreserven anzuzapfen. Im Herbst wird ein Wettbewerb für die Nutzung der brach liegenden Anlagen der deutschen Bahn ausgeschrieben. Die Regierung liebäugelt mit einer Verlängerung des deutschen Biowissenschafts-Korridors («Biovalley»). Bundesbern hatte das Gelände als «provisorischen» Parkplatz für Transitlastwagen vorgesehen, aber die Basler winkten ab. «Es gibt da so ein französisches Sprichwort», sagt Werner Resch. Die ewige Zweite Vor 500 Jahren war Basel die grösste Schweizer Stadt. Jetzt nicht einmal mehr die zweitgrösste. Zürich sagtvon sich - plump und schweizfixiert:«Downtown Switzerland». Basel sagt zu seinem derzeitigen Jubiläum: «500 Jahre keine Schweiz ohne uns». So war es immer. Zürich spielte erste Geige, die Herren vom Rhein hielten auf Distanz. Basels Bevölkerung stagniert in der Agglomeration (401'000) und geht im Stadtgebiet zurück. Anfang der 90er-Jahre noch zweitgrösste Stadt der Schweiz, liegt Basel nun mit 170'800 Einwohnern (1999) auf Platz 3. Spitzenreiter ist Basel-Stadt dagegen bei der Steigerung des Volkseinkommen:Plus 52 Prozent in den 90er-Jahren. 1998 betrug es 76235 Franken pro Jahr - Ausdruck der Tuchfühlung, die der Pharma-Standort mit einer der grossen Zukunftsindustrien bewahrt. Bei den zehn Prozent teuersten Verkaufsflächen liegt Basel mit einem Quadratmeterpreis von 730 Franken auf Rang drei. www.ebund.ch Johann Aeschlimann 30.07.01
Weber-Brunnen Steinenvorstadt, Stock 1692 Der dreiteilige Brunnenstock ist in seinem untersten Abschnitt mit Masken, im Mittelteil mit Engelskoepfen verziert. Der quadratische Pfeiler aus Stein - er ist der Formensprache der Renaissance verpflichtet - stellt eine Nachempfindung einer aus Italien stammenden Gestaltungsart dar. Die Blimen- und Fruchbuendel im obersten Teil des Stockes allerdings veraten bereits barocken Einfuss. Den Abschluss der Saeule bildet ein korinthisches Kapitell das dem weithin sichbaren bewaffneten Banntraeger mit Schwert und Schild als Standflaeche dient. Das Original der Brunnenfigur ist heute im Historischen Muesum. Mit dem Igel zu Fuessen des Bannerherrn hat es folgende Bewandtnis: Die Hersteller von rauhem Tuch hiessen im Mittelalter Grautuecher. Ihre Zunftordnung erhielten sie 1398. Ihr Wahrzeichen, der Igel mit seinem bürstenartigen Kleid, erscheint erstmals 1415 im Bild. Nachdem die Grautuecher, Ende des 14. Jh.s der Zunft zu Rebleuten als Halbzunft zugewiesen worden waren, kamen sie 1506 zur Webernzunft. |
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